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Hans Scharoun (1893-1972), Auf Scharoun trifft der merkwürdige Fall zu, daß ein Architekt im Alter von 30 Jahren zur Avantgarde gehört, durch den neuen Trend zum Rationalismus in Vergessenheit gerät und aufgrund der Wiederentdeckung des Stils, der in seiner Jugend modern war, im Alter von 65-70 Jahren plötzlich noch einmal zu den Avantgardisten zählt. Scharoun war einer der phantasiereichsten deutschen Architekten des Expressionismus um 1918 und gleich ihnen brachte er seine Träume unbekümmert zu Papier. In den späten 20er Jahren schuf er einige Wohnblocks und Einfamilienhäuser, aber erst in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, als man den 20er Jahren erneut Sympathie entgegenbrachte, erhielt Scharoun größere Aufträge. 1946 wurde Scharoun Beauftragter für das Programm des Wiederaufbaus der Stadt Berlin und Leiter des Deutschen Werkbundes in Berlin. Dann ermöglichte es die wirtschaftliche Blüte, daß seine 40 Jahre zuvor skizzierten Entwürfe Wirklichkeit werden konnten. Seine zuletzt entstandenen Hauptwerke sind u.a.die Siedlung Charlottenburg Nord in Berlin (1955-61), die Wohnhochhäuser Romeo und Julia in Stuttgart (1955-59), die Philharmonie in Berlin (1956-63, die Deutsche Botschaft in Brasilia (1963-71) und das Deutsche Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven (1970). Scharoun war von 1956-68 Präsident der Akademie der Künste in Berlin.